Wir sind auch mobil und beraten

Gemeinsamer Unterricht

Der § 35 des Schulgesetzes regelt den gemeinsamen Unterricht von Schülerinnen und Schülern mit und ohne sonderpädagogischen Förderbedarf.

Nach Feststellung des sonderpädagogischen Förderbedarfs im Bereich „Sehen“ durch den diagnostischen Dienst bietet das ÜFZ SEHEN eine Beratung und Förderung sehgeschädigter Schüler an, die ihre Heimatschule besuchen.

Im Gesetz heißt es: „Formen dieses gemeinsamen Unterrichts in der allgemeinen Schule oder der beruflichen Schule sind sonderpädagogische Beratung und bei Bedarf stundenweise zusätzliche sonderpädagogische Förderung im oder neben dem Unterricht je nach der Art und Schwere der Beeinträchtigung.“

Erfahrene Sehgeschädigtenpädagogen informieren Lehrer, Eltern und Schüler über die Auswirkungen und den Umgang mit der Sehschädigung im Unterricht und unterstützen sie bei der Zusammenarbeit mit Behörden und Ämtern.

Sie geben zum Beispiel spezielle Hinweise zur Gestaltung des Schülerarbeitsplatzes und des Raumes, zur Gewährung des Nachteilsausgleichs u.a. bei Prüfungen und Klassenarbeiten sowie zum Einsatz von optischen Hilfsmitteln.

Unterrichtsbegleitend oder in Einzelförderung unterstützen wir die sehgeschädigten Schülerinnen und Schüler bei der Bewältigung des Unterrichtsstoffes.

Auch bei der beruflichen Entscheidungsfindung und den Möglichkeiten der Berufswahl beraten wir die Jugendlichen gern. 

Förderdiagnostik im Förderschwerpunkt Sehen

Diagnostik beinhaltet folgende Schwerpunkte:

1. Die Durchführung standardisierter Tests

  • Ermittlung des Fernvisus mit einzelnen Optotypen und mit einem Reihentest (LEA-Test für die Ferne)
  • Ermittlung des Nahvisus mit einzelnen Optotypen, mit dem Reihentest und mit dicht gruppierten Symbolen (LEA-Test für die Nähe, C-Test Prof. Haase)
  • Ermittlung des Kontrastsehvermögens (LCS-Test Kontrastsehen nach Buser, Hiding Heidi von Lea Hyvärinen)
  • Farbensehen mit einem quantitativen Test, wie LEA-PV16 , Colour Vision Test for Children
  • Gesichtsfeld mit Konfrontationstest, Nef-Trichter und als Lesegesichtsfeld (wie viele Buchstaben werden gleichzeitig klar gesehen)
  • Test zur Ermittlung der Akkommodationsflexibilität (Visus GmbH)
  • Test zur Ermittlung des Vergrößerungsbedarfes und der bevorzugten Vergrößerung (SZB)
  • Stereotest (Lang-Test, Titmus)
  • Fixationstest (Amsler-Gittertest, Schweizer)
  • LEA Briefkasten: visuelle Erkennbarkeit von Linienrichtungen

2. Umgang eines Menschen mit seinem Sehvermögen in alltäglichen Situationen unter den dort vorhandenen Bedingungen.

Es ist vor allem im schulischen Bereich sehr wichtig, das individuelle Sehverhalten des einzelnen Schülers unter alltäglichen Bedingungen - Lichtverhältnisse im Klassenzimmer, Entfernungen von der Tafel, etc. - durch Beobachtungen unter schulischen Bedingungen und das Schaffen gezielter spielerischer Situationen zu analysieren.

Dabei werden Fragen erhoben wie:

  • Fixation, ist sie zentral/exzentrisch, stabil oder flüchtig?
  • Liegt ein Nystagmus vor? Gebraucht das Kind kompensatorische Kopfbewegungen?
  • Wie exakt sind die Folgebewegungen? Erfolgen kompensatorische Kopfbewegungen?
  • Farbensehen, Konfusionsgebiete; welche Farben und Farbkombinationen soll man vermeiden?
  • Wie wird das vorhandene Gesichtsfeld für die Orientierung und für das Lesen genutzt?
  • Visuelle Adaptation; hat das Kind Schwierigkeiten in der Dämmerung oder bei Sonnenschein?
  • Wiedererkennen; erkennt das Kind Leute am Gesicht? Benutzt es kompensatorische Techniken?
  • Gesichtsausdrücke; erkennt das Kind Gesichtsausdrücke?
  • Bewegungssehen
  • Kann das Kind Größen und Längen visuell wahrnehmen oder benutzt es haptische Informationen?
  • Linienrichtung; kann das Kind Linienrichtungen visuell wahrnehmen?
  • Einzelheiten; kann das Kind sie in bunten Bildern sehen/finden?
  • Puzzles; kann das Kind altersgemäß mit ihnen spielen?
  • Auge-Hand-Koordination; ist sie normal oder gibt es Probleme?
  • Das Sehvermögen für den Bereich Orientierung und Mobilität; sind Modifikationen für den Sportunterricht notwendig?
  • Wie ist das Sehen bei Aufgaben, die ein länger andauerndes Sehen in der Nähe erfordern; welche Sehhilfen hat das Kind? Wie ist die Motivation diese zu benutzen?
  • Beleuchtung; welche Spezialbedürfnisse hat das Kind zu Hause, in der Klasse und in den Gängen/Fluren

3. Sehhilfenberatung und -erprobung sowie Lehr- und Lernmittelpräsentation

Hierunter wird die Beratung zum Einsatz geeigneter Hilfsmittel und anderer Maßnahmen verstanden, die eine bessere Ausnutzung des Sehvermögens anstreben.

  • Auswahl, Erprobung und Beratung zur Beschaffung und Finanzierung geeigneter technischer Hilfsmittel
    • Lupen/Lupenbrillen
    • Monokulare
    • Bildschirmlesegeräte
    • Blendschutz (Kantenfilter)
    • Beleuchtung Arbeitsplatzausstattung
    • Monokulare
    • sehgeschädigtengerechte PC-Ausstattung (z. B. spezielle Tastatur, Vergrößerungssoftware, Sprachausgabe, Braillezeile)
    • an die Bedürfnisse Sehgeschädigter adaptierte Medien (z. B. Arbeitsblätter, Übersichten, Modelle, Karten u. a. m.)

Alle genannten optischen und elektronischen Sehhilfen, Lehr- und Lernmittel, Hilfsmittel und adaptierten Medien sind am Überregionalen Förderzentrum SEHEN in verschiedenster Ausführung vorhanden, werden von den Diagnostikern verwaltet und je nach Bedarf ergänzt und ersetzt und werden dort auch in einem mit schulischen Aspekten in Zusammenhang stehenden Ambiente präsentiert. Dieser diagnostische Schwerpunkt umfasst sowohl Schüler, bei denen eine Eingangsdiagnostik stattfindet als auch die Schüler des ÜFZ SEHEN (siehe 4.)

4. Kontinuierliches Verfolgen und Dokumentieren der weiteren visuellen Entwicklung des sehbehinderten Schülers

Um die Entwicklung zu verfolgen, werden bei aktuellem Bedarf (z. B. bei auftretender Verschlechterung des Sehvermögens) sofort, mindestens jedoch alle 2 Jahre die verschiedenen Funktionen regelmäßig beobachtet und in einem Protokoll zum funktionalen Sehen dokumentiert. Die regelmäßige Erhebung des funktionalen Sehens dient dazu, Fragestellungen abzuklären, die sich im Schulalltag ergeben und mit der visuellen Wahrnehmung zusammenhängen können, neue Hilfsmittel zu erproben oder den Umgang mit vorhandenen Hilfsmitteln zu überprüfen und um das Lernumfeld, die Vermittlung kompensatorischer Fertigkeiten u. a. m. vor Ort an die spezifische Situation des Kindes anpassen zu können. Das genannte Protokoll umfasst im Wesentlichen o. g. Tests und Verfahren und bildet eine wesentliche Grundlage für die individuelle Förderplanerstellung.

5. Interdisziplinäre Zusammenarbeit vor Ort mit dem pädagogischen, therapeutischen und medizinischen Fachpersonal insbesondere bei Vorliegen von Mehrfachbehinderungen

6. Kontinuierliche Unterstützung und Beratung bei vorliegendem Förderbedarf mit dem Schwerpunkt Sehen in vorschulischen Kontexten

Im Rahmen der vorschulischen Prävention ist das Förderzentrum Anlaufstelle für Familien mit Kindern, bei denen der Verdacht auf eine Sehschädigung vorliegt oder bei denen eine Sehschädigung bereits festgestellt wurde.

Sehgeschädigtenspezifische Hilfen stehen somit als fachlich und organisatorisch eigenständige Angebote im Rahmen der vorschulischen Bildung interdisziplinär zur Verfügung. Aufgabe der Diagnostik ist es, in enger Zusammenarbeit mit den Frühförderern den sonderpädagogischen Förderbedarf sehauffälliger Kinder diagnostisch abzuklären, dem Umfeld sehbeeinträchtigter Kinder Aufklärung und Anregung zu deren Entwicklungsnotwendigkeiten zu geben und sehbehinderten und blinden Kindern in Kooperation mit den allgemeinen vorschulischen Bildungseinrichtungen sowie weiteren medizinischen oder therapeutischen Angeboten die notwendige Unterstützung entwicklungsbegleitend anzubieten.

Die vor Schuleintritt stattfindende, besonders umfangreiche Diagnostik dient der Unterstützung und Beratung der Eltern bei der Auswahl der für ihr Kind entsprechenden optimalen Beschulung, um langfristig Chancen mindernde und benachteiligende Auswirkungen der Sehbehinderung für den weiteren Lebensweg ihrer Kinder weitgehend auszuschließen.